Bar du Bois 

Kulturmeile Schwaz: 26. Oktober 2016, 10 - 18 Uhr Barbetrieb

Bar du Bois Schwaz von: Roy F. Culbertson III, Marc-Alexandre Dumoulin, Melanie Ebenhoch, Andreas Harrer, Ann Muller, Cecilie Norgaard, Florian Pfaffenberger, Julian Turner

mit Arbeiten von: Anna Barfuss, Kamilla Bischof, Julia Haller, Michael Horsky, Anna Ida Pezzot, Julia Kolbus, Dominik Louda, Beatrice Marchi, Saskia Te Nicklin, Matthias Noggler, Alex Ruthner, Alexandra Wanderer, Kathrin Wojtowicz, Julia Znoj

kuratiert von Cosima Rainer

Bar du Bois ist zunächst buchstäblich eine Bar. Eine Bar auf Wanderschaft. Ihre Möbel werden von KünstlerInnen gebaut und sie wird von KünstlerInnen betrieben. Bar du Bois ist damit auch eine polymorphe Künstlergruppe und ein sozialer Ort. Zugleich ist Bar du Bois ein künstlerisch und kuratorisch experimentelles Projekt. Es hat sich als Kontrast zum Kult der wiedererkennbaren künstlerischen Autorenschaft etabliert, als Alternative zur Warenfixiertheit des Kunstmarktes und zum repräsentativ hygienischen Ausstellungsraum des White Cube.

Statt an solche etablierte Standards glaubt Bar du Bois (dt. Bar aus Holz) an das Durcheinander des künstlerischen Kollektivs, man glaubt an das Patchwork und huldigt den Rausch, der die Ideen belebt und die sozialen Monaden zueinander bringt. Dazu praktiziert man lieber ein Unterwegssein als einen fixen Standpunkt, die nötigen Dinge werden selbst gebaut, viele Einzelne tragen zu einem Ganzen bei, der Reiz liegt dabei im Provisorischen und Informellen. Der Name Bar du Bois versteht sich in dieser Hinsicht auch als Wortspiel mit den Holzstäben „Barre de bois rondes“, die André Cadere einst als Instrumente künstlerischer Intervention uneingeladen in Ausstellungen abgestellt bzw. dazugestellt hat.
Bar du Bois gibt es in unterschiedlichen Erscheinungsformen und Besetzungen. Seit 2013 wurde Bar du Bois durch Florian Pfaffenberger und Julian Turner als Off-Space in der Wiener Innenstadt betrieben. Über die Dauer von zwei Jahren wurden mit vielen Mitwirkenden an die 40 Ausstellungen und Performances realisiert. Durch immer neue Kollaborationen mit KünstlerInnen aus der international durchmischten Wiener Kunstszene variiert Bar du Bois ihr Auftreten von Station zu Station. 2014 wurde eine Bar für die Thyssen-Bornemisza Art Contemporary errichtet. Weitere Stationen waren die alternative Kunstmesse Parallel Vienna (2014/2015), die Venedig Biennale (2015) und die Halle für Kunst Lüneburg (2015).

Das Projekt, das Bar du Bois für die Galerie der Stadt Schwaz konzipiert hat, wird ihre Wanderschaft fortsetzen und zugleich formal steigern. In Schwaz wird die Bar nicht wie bisher Teil einer Ausstellung sein, sondern den Galerieraum von zahlreichen Seiten überformen. Dies beginnt schon bei den Türgriffen der Eingangstüre, auf die neue Griffe in Form von Getränkekarten montiert werden. Die Bar selbst ist in ihren Dimensionen raumgreifend und funktioniert gleichzeitig wie ein Bilderfries. Auch die weiteren Räume der Galerie werden einbezogen und der starre White Cube teilweise in einen sozialen Raum transferiert. Die Bruchlinien dazwischen werden allerdings in der Ausstellung sichtbar bleiben. Es geht nicht um eine Totalgestaltung oder eine „Fake“-Inszenierung, die die Grenzlinien übertüncht. Alle Arbeiten darin lassen sich sowohl als Kunstwerke als auch als funktionale Bestandteile der Bar lesen: Türen, Hocker, Bänke, Lampen, Gläser, Aschenbecher, Flaschenöffner, Regale. Hierfür werden auch Aufträge an andere KünstlerInnen vergeben, die zu neuen Kunstwerken und Barbestandteilen führen. So entsteht beispielsweise aus gedrechselten Flaschenöffner-Skulpturen von Roy Culbertson ein dekorartiger Rahmen um die Türen des Galerie Hauptraumes, der ebenso zum Flaschenöffnen verwendet werden kann.
Ein weiteres Merkmal von Bar du Bois ist, dass sie die zeitgenössische Ästhetik der fluiden digitalen Kultur mit traditionell anmutenden Handwerkselementen verquickt. So entsteht eine skurrile Atmosphäre, die gespeist wird durch einen Stilmix und die Verschiebungen von Codes. Dieses Spiel setzen Bar du Bois auch in ihren Facebook-Aussendungen und Bilder-Postings fort. Bekannte historische Bildmotive wie ein Renaissancebild oder ein Plakatmotiv von Toulouse-Lautrec werden dazu von ihnen digital überarbeitet und mit Bar du Bois-Gegenständen und Personen ergänzt.

Das Motiv der Bar spielt in der Kunst seit langem eine wichtige Rolle. Das Klischee vom ausschweifenden intensiven Künstlerleben der Bohème ist damit verbunden, ebenso aber auch die Einsamkeit der Moderne. Als Bildmotiv zieht es sich von Edouard Manet (Un Bar aux Folies Bergère, 1882) bis Edward Hopper (Nighthawks, 1942), daneben gibt es zahlreiche Künstler wie Jörg Immendorf oder Martin Kippenberger, die temporär eine Bar betrieben haben. Kürzlich hat Thomas Mießgang in einem Text für das Kunstmagazin Spike eine besondere Affinität österreichischer KünstlerInnen zu dem Thema aufgezeigt. Zahlreiche Bars wurden seit den 1990er Jahren für Ausstellungsprojekte oder als eigenständige Kunstwerke gebaut – beispielsweise von Franz West&Heimo Zobernig, Manfred Erjautz, Marcus Geiger, Peter Sandbichler, Flora Neuwirth, Noële Ody oder jüngst Hans Schabus. Bar du Bois unterscheidet sich von solchen Projekten insofern, als sie nicht ein einmaliges oder abgeschlossenes Kunstwerk ist, sondern sich kontinuierlich weiterentwickelt und als konzeptuelles Modell immer wieder neue Orte und Sozietäten integriert. Die Bar macht damit ihrem Namen alle Ehre: sie wuchert wie ein Urwald.

Text: Cosima Rainer