Herwig Weiser 

Herwig Weiser (*1969 in Innsbruck) arbeitet seit den 1990er Jahren als Filmemacher und bildender Künstler. Er gilt als einer der experimentellsten Vertreter einer internationalen „Medienkunst“-Generation, die seit den 1970er-Jahren aus einem sehr beweglich gewordenen Skulpturbegriff heraus agiert. Medientechnologien werden dabei jeweils als Arbeitsmaterial und thematische Reibungsfläche zugleich verstanden.

Die Galerie der Stadt Schwaz zeigt Herwig Weisers erste institutionelle Einzelausstellung in Tirol und einen Überblick über seine künstlerische Produktion der letzten zwanzig Jahre. Präsentiert werden Werkgruppen, die meist über mehrere Jahre hin entwickelt und ausformuliert wurden und die oft in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Musikern entstanden sind.

In seiner Skulptur „Ambigious Cut into Space of Conjecture“, 2011/2015 verwendet Herwig Weiser beispielsweise Quantenmaterial, das in der Industrie u.a. für die Leuchtkraft der Farben von Displaydarstellungen verwendet wird. In seiner Skulptur löst er diese Quantenpunkte aus ihrer dienenden Funktion in der Bilderzeugung heraus und lässt sie als eigenständiges Material wirken. Eingefüllt in ein sich drehendes rundes Metallobjekt erzeugt das Quantenmaterial einen psychedelischen Farbenrausch, der die BetrachterInnen unweigerlich in ihren Bann zieht. Angeregt durch Ultraschall und mechanische Rotation werden bestehende Verbindungen auf molekularer Ebene gesprengt. Der Ultraschall-Sound, der das bildnerische Geschehen steuert, bleibt allerdings für das menschliche Ohr unhörbar. Herwig Weiser selbst bezeichnet die rotierende Sound-Skulptur als weiterentwickelten Experimentalfilm und „Medien unter Drogen“.

Ganz anders entstand die Skulptur „Olympische Ringe“, die erstmals in Schwaz zu sehen ist. Sie entstammt dem Film „olympia 2001“, den Herwig Weiser gemeinsam mit Hannes Baumann gedreht hat. Der Film zeigt die nächtliche Demontage der olympischen Ringe auf der Bergisel-schanze in Innsbruck. Die einstige Sabotageaktion richtete sich gegen ein repräsentativ, medial und historisch hoch aufgeladenes Symbol, das die Olympia- Stadt Innsbruck auszeichnete.

In Herwig Weisers Filminstallation „untitled (Bergisel)“ von 1996 war ihm die Bergisel-Schanze schon einmal Motiv. Der Film läuft in einem alten Bellevue-Projektor, der wie eine Leuchtbox an der Wand hängt. Auf dem Bild schwebt eine Figur in der Rückenansicht wie von Geisterhand die Stufen neben der Schanze empor und bewegt sich dann wieder nach unten. Der mühsame Aufstieg wurde durch Stop-motion-Technik in eine seltsame schwebende Bewegung verwandelt. Die starke Bildperspektive nach oben und die konstruktivistische Architektur der Schanze, lässt die Szene wie eine surreale Traumszene wirken, in der man sich gleichzeitig bewegt und nicht vorwärts kommt. Es ist eine sisyphusartige Situation. Das geisterhafte Schweben wiederholt sich zudem im geloopten Filmstreifen, der sich im Kreis dreht und auch außerhalb des Projektors schwebend in Erscheinung tritt.
Herwig Weiser setzt gezielt immer wieder sogenannte veraltete Technologie wie Super-8-, 16mm-Film oder altmodische Projektoren ein, da jede dieser Technologien eine ganz eigene ästhetische Sprache mitbringt, die für seine medienarchäologisch inspirierte Filmsprache bedeutend ist.

In seinem neuen Film „Haus der Regierung“ (Teil 1) von 2015 lässt Weiser wiederum eine große Architektur erzittern. Der konstruktivistische Wohnkomplex, der in Moskau zwischen 1928-1931 für Funktionäre der Kommunistischen Partei erbaut wurde und 505 Wohneinheiten sowie ein Kino, Kindergarten, Post und ein Theater umfasst, ist auch als „Haus an der Uferstraße“ bekannt und wurde in den 1930er-Jahren als ein Ort stalinistischer Säuberungen berüchtigt.
In der filmischen Bearbeitung Weisers entsteht der Eindruck, als ob eine abstrakte Geister- oder Traumwelt in den heroischen konstruktivistischen Räumen erwacht. Durch performative Interaktionen und die Verwendung von speziellen fokussierten Lichtquellen sowie divergierende Belichtungszeiten entsteht eine „abstrakte instabile Raumskulptur“, die in ständiger und scheinbar zielloser Bewegung die Räume durchmisst und überzeichnet. Mit variierenden Belichtungszeiten, der späteren Montage und einer schichtweisen Überlagerung wird ein architektonisches Zittern verursacht, welches den Raum analog aufbricht.