Vogelsbergeriana 

Gruppenausstellung anlässlich 20 Jahre Galerie der Stadt Schwaz

Mit Werken von Ricardo Basbaum, Manuel Gorkiewicz, Ursula Groser, Anna Haifisch, Ralf Hoedt & Moira Zoitl, Judith Hopf & Henrik Olesen, Leopold Kessler, Martha Murphy, Johannes Porsch, Romana Scheffknecht, Johannes Schweiger, Ernst Trawöger, Paul Trebo, Rens Veltman, Astrid Wagner, Catharina Wronn

Im Rahmen der Ausstellung erscheint ein Katalog mit gleichnamigem Titel, Gestaltung: Johannes Porsch.

Die Gruppenausstellung zum 20-jährigen Bestehen der Galerie ist zugleich eine Hommage an die Gründungsdirektorin Vera Vogelsberger, die durch ihr avanciert experimentelles, zugleich ortsbezogenes und internationales Ausstellungsprogramm den Geist der Galerie bis heute geprägt hat. Es werden daher künstlerische Arbeiten gezeigt, die mit der Ausrichtung und Ausstellungsgeschichte der Galerie im Zusammenhang stehen. Auch der Bezug von Innen nach Außen, die Interaktion mit dem öffentlichen Raum und den BesucherInnen sind ein wichtiger Bezugspunkt für die Ausstellung.

Manuel Gorkiewicz konzipierte für die 20-Jahre Feier eine Intervention, die sich von der Galerie der Stadt Schwaz in die Franz-Josef-Straße zieht. Ausgehend von den architektonischen Gegebenheiten verknüpft Gorkiewicz die Galerie und den öffentlichen Raum zu einem temporären Ornament mit einer Silber-Girlande. Die Intervention irritiert durch die Koppelung ihrer geometrischen Strenge mit einem schmückenden Dekorationsmaterial.

Rens Veltmann, der als Beitrag die Einladungskarte und das Plakat der Ausstellung gestaltet hat, zeigt eine Handgeste, die auf den Prozess des Zeigens und Vermittelns verweist. Das Ausgangsmaterial war eine Fotografie von Vera Vogelsberger, die Veltman in ein digitales Bildraster überführt hat. Die Rasterpunkte erzeugen einen Op-Art-Effekt und ein Flirren, das den Zauber verdeutlicht, der mit Vermittlung immer auch verbunden ist.

Eine Dokumentation der Einladungskarten von 1994-1998, die Paul Trebo im Eingangsbereich der Galerie gestaltet hat, vermitteln das ambitionierte Ausstellungsprogramm mit dem Vogelsberger die Galerie international positioniert hat. Ausführlich lässt sich das Programm im Buch "Die Galerie experimentiert mit ihrem eigene Sinn" das im Rahmen der Ausstellung von Andrea Hörl präsentiert wird, nachvollziehen. Somit wird ein wichtiger Teil der Geschichte der Galerie erstmals sichtbar gemacht.

Eine weitere Interaktionen zwischen dem Innen und Aussenraum der Galerie thematisiert die Postkarten- und Plakatserie, die 1998 von Martin Janda mit den Künstlern Moira Zoitl und Ralf Hoedt entwickelt wurde. Im Zuge einer urbanen Recherche hatten Zoitl&Hoedt zahlreiche Orte jenseits der repräsentativen touristischen Sehenswürdigkeiten und des Stadtkerns dokumentiert und fotografiert. Einige Motive der Serie wurden mit dem Schriftzug Galerie der Stadt Schwaz im öffentlichen Raum plakatiert und andere im Ausstellungsraum gezeigt. Die Fragen der Gestaltung des öffentlichen und privaten Raumes wurden so auf unkonventionelle Weise zur Debatte gestellt und mit einem Ort der Expertise für Gestaltung in Zusammenhang gesetzt.

Im Foyer der aktuellen Ausstellung wiederum ticken vier Keramik Eulen-Uhren von Catharina Wronn und Astrid Wagner. Sie zeigen unterschiedliche Zeiten, die in dieser Ausstellung zum 20jährigen Bestehen aufgerufen werden und zusammenkommen.

Auch Leopold Kessler greift temporär in die Gestaltung des öffentlichen Raumes ein und setzt sich mit dessen autoritären Zeichensystemen auseinander. Unter dem Titel "Sparmaßnahme" hat er eine Polizeiabsperrung entwendet und in vier Teile zersägt, die dann einzeln wieder zusammengesetzt wurden. Die vier kleinen wackeligen "Clone" haben ihren Bezug zur Staatsmacht verloren und wirken instabil und orientierungslos.

Der Ausstellungsraum als ein energetischer Ort, in dem unbekannte Begegnungen stattfinden und Türen geöffnet und geschlossen werden, korrespondiert mit der Arbeit von Judith Hopf & Henrik Olesen. Ihr Video "Türen" entstand im Bezug zu Bunuels Film "Das Gespenst der Freiheit" von 1975, in dem Bunuel bürgerliche Konventionen surrealistisch kommentierte.

Ricardo Basbaum, der bereits 1998 in der Galerie ausgestellt hat, zeigt die Installation „Would you like to participate in an artistic experience? 1994-ongoing“, die man als Besucher unterschiedlich benutzen kann. Seine Installation zirkuliert in immer neuen Fassungen seit 1994 durch die Welt und bietet Möglichkeiten zur Kontemplation, zum Ausruhen, zu gemeinschaftlichen Prozessen und zum Spiel mit dessen Elementen. Ein blau-weißes Stahlobjekt mit dem Titel "New Bases of Personality" kann von den Besuchern temporär mitgenommen und für Interaktionen verwendet werden.

Andere Formen der Interaktion bieten die Künstler Anna Haifisch, Johannes Schweiger und Astrid Wagner an. Im Rahmen von zwei Kreativnachmittagen / Workshops laden sie zur gemeinschaftlichen Produktion ein. Erste Objekte, die aus ihrer Kollaboration entstanden sind, sind vier bemalte Hemd-Objekte. Vorgefertigte Ideen von kreativem Gestalten aus dem Hobbykontext werden von ihnen konzeptuell aufgegriffen.
Auch an Ursula Grosers Fragment aus einem ihrer "Gefüge" aus Schläuchen kann im Rahmen eines gemeinschaftlichen Projektes weiter angeknüpft werden.

Eine wichtige Initiatorin für die Galerie der Stadt Schwaz war auch die kürzlich verstorbene Künstlerin Martha Murphy. Ihr "Kochbuch keiner Hausfrau" fertigte sie von 1989-1999 für ihre Tochter. Jede Seite überrascht durch eine ungewöhnliche Collage aus handgeschriebenen Kommentaren, Zitaten von Philosophen, Rezepten, Zeichnungen, Fotografien und Zeitungsausschnitten von Kunstwerken, Tieren und Speisen. Die Speisen und ihre Zubereitung stehen so im Kontext künstlerischer Arbeit und setzen zahlreiche Assoziationen in Gang.

Auch Romana Scheffknecht bezieht sich auf die assoziative verwandtschaftliche Zusammenschau von gefundenen Bildmaterial aus dem Alltag, Zeichnungen, Storyboards und Objekte, die sie im Zuge ihrer Arbeit verknüpft. Sie bezieht sich dabei auf Aby Warburgs berühmten "Mnemosyne-Atlas", der philosophische und bildgeschichtliche Betrachtungsweisen verknüpfte.

Cosima Rainer