Silke Otto-Knapp 

Silke Otto-Knapp
Seascapes and Moondresses

Silke Otto-Knapp *1970 in Osnabrück, lebt in Los Angeles

Silke Otto-Knapp’s Bilder zeichnen sich aus durch transluzide verwaschene Motive, die wie aus einer Art Zwischenwelt schimmern.

Silke Otto-Knapp, seit 2014 Professorin in Los Angeles, praktiziert eine geradezu unzeitgemäße melancholisch wirkende Graumalerei, die in einem spannungsvollen Kontrast zu ihrer modernistischen Inhaltlichkeit steht. Motivisch kreisen die Bilder um Figuren wie der Schriftstellerin Gertrude Stein, der Tanzpionierin Yvonne Rainer oder dem Maler Edvard Munch.

In ihrer Aquarell-Malerei, die sie im Unterschied zur üblichen Praxis auf Leinwand ausführt, erzeugt sie eine ungewöhnliche „Bildwerdung“: Unter monochrom schwarz oder silbergrauen Aquarell- und Gouache-Schichten, die von Otto-Knapp immer wieder ausgewaschen werden, verblassen ihre Objekte und ProtagonistInnen teils mehr, als dass sie sich manifestieren. Die Motive wirken wie in einem Zustand der Schwebe zwischen „Erscheinen“ und „Verschwinden“. Otto-Knapp verknüpft dabei oppositionelle Paradigmen des Leinwandbildes wie Transparenz und Opazität oder den Fokus auf flächengeometrische Eigenschaften mit einer semantischen Tiefendimension. Sie gehört damit zu einer KünstlerInnengeneration für die eine Auseinandersetzung mit dem diskursiv aufgeladenen Feld der Malerei ebenso wichtig ist, wie die Befragung formaler Konventionen.

Die Werke der aktuellen Ausstellung stehen im direkten Bezug zur stillen melancholischen Stimmung der Landschaften Edvard Munch, dessen eigenwilliger Symbolismus ein wichtiger Bezugspunkt für Silke Otto-Knapp ist. Das Motiv des Mondes erscheint dabei in vielfältiger Weise. Er tanzt auf einem Kostüm in das Bild hinein und aus der Landschaft heraus. Otto-Knapps Motive durchqueren unterschiedliche Stadien der Ausführung und eröffnen Passagen außerhalb und innerhalb des Bildraumes. Auch die Präsentation im Ausstellungsraum ist Teil der gestalterischen konzeptuellen Überlegung. Je nach Ausstellungsort werden die Bilder in einem konzeptuellen performativen Zusammenhang gestellt. Sei es mit einer historisch wichtigen Bezugsfigur, durch architektonische Überlegungen oder durch PerformerInnen in Kostümen, die mit und um die Bilder agieren.

Cosima Rainer