Oswald Oberhuber 
Dokumente Kunst Informationen 

Da gibt es große Einigkeit: Oswald Oberhuber ist einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart. Und darüber hinaus ist Oberhubers Bedeutung für das österreichische Kunstgeschehen nicht hoch genug anzusetzen. Was ihn so besonders macht, ist sein Engagement für den politischen Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft, sein Beitrag zur Internationalisierung der österreichischen Kunstszene seit 1945, seine Förderung junger Künstler und Künstlerinnen, und sein Interesse an und sein Wissen über kunsthistorische Zusammenhängen und Entwicklungen, die er stets mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Die Ausstellung Dokumente, Kunst, Informationen, die Oswald Oberhuber für die Galerie der Stadt Schwaz, konzipiert und zusammengestellt hat, zeigt zum einen diese Bandbreite seiner Tätigkeiten, mehr noch aber zeigt sie seine künstlerische Haltung, seine Zweifel hinsichtlich kunsthistorischer Kanonisierungen, die in ihrer Engführung häufig wesentliche Aspekte ausblenden.

Oberhuber schaut genau hin und Oberhuber denkt in Zusammenhängen. Er verweigert sich gegenüber einer Werklogik, die sich auf das einzelne Kunstwerk beschränkt, stellt seine eigenen Arbeiten genauso wie die anderer Künstler in Relation zueinander, und entwickelt dadurch eine implizite Kritik an ästhetischen und institutionellen Produktionsformen.

Bereits in den 50er Jahren interessierte sich Oberhuber als junger Künstler für die Entwicklungen und Debatten, die in erster Linie von Frankreich ausgingen, nämlich die Debatten um das Verhältnis von Form und Formlosigkeit.

Der französische Kunsthistoriker Yves Alain Bois unternimmt in dem Buch zur Ausstellung „Formless“, das er gemeinsam mit Rosalind Krauss herausgegeben hat, eine Unterscheidung der Begriffe „informe“ und „art informel“. Informe, also das Formlose würde im Gegensatz zur art informel stehen, denn das Informel müsste man als ein Spiel der Transposition, als einen Raum für die Imagination und Projektion, als Prozess der Formwerdung begreifen.

Oberhuber versteht das Informel nicht als Stil, sondern als künstlerische Haltung. Die präjudizierte Einheit von Kognition, Imagination und Repräsentation wurde im Informel entkoppelt, sagt der mit Oberhuber eng verbundene Bazon Brock, von nun an war die Begriffsbildung des Denkens nicht mehr an Anschauungen gebunden, denen Worte, Gesten oder Bilder zugeordnet waren, so Brock. Mit dieser Entkoppelung erfährt das Denken und das Sehen eine neue Dimension. Man könnte sagen, dass mit dem Informel ein flüssiges Denken einherging wo Dinge stetig in neue Zusammenhänge gebracht werden.

Im Spiel der Transponierung, mit der Verschaltung von Zusammenhängen, oder man könnte sagen mit dem Bilden von Synapsen ist Oberhuber ein Meister. Die Werkliste seiner Arbeiten liest sich etwa wie ein Kaleidoskop der Kunst – „Würfel-Rote Maske“, Säule „Bronze“, Silber „Rosa Kreis“ oder Kiste „Stilleben“ Oberhuber vermag in seinen Skulpturen, Collagen, Zeichnungen und Gemälden ästhetische Kategorien miteinander zu verschränken um die Vielschichtigkeit von Informationen lustvoll zu vereinfachen, um Widersprüchliches, Vergessenes und Verdrängtes stets von Neuem in den Blick zu nehmen.

In der Galerie der Stadt Schwaz zeigt Oswald Oberhuber eine Reihe von Plakaten, die er alle selbst gestaltet hat, 26 Kartonskulpturen, sowie Collagen, Briefe, und Dokumentationen von Installationen und Environments, die zum Teil das erste Mal gezeigt werden. Allen Medien, die Oberhuber einsetzt gemeinsam ist, dass sie informierend im doppelten Sinn des Wortes wirken.

Die Plakate sind ästhetische Manifestationen dessen, wovon sie künden. Farben, Typographie und Motiv greifen als Module ineinander, und die Besonderheit besteht nicht nur in der grafischen, sondern auch in der kuratorischen Konzeption. So hat Oberhuber all die Ausstellungen für die er die Plakate gemacht hat, auch selbst initiiert, hat Arbeiten von Beuys, Pevsner, Hartung, Albers und unzähligen anderen nach Österreich gebracht.

Auch die Collage nutzt Oberhuber als konzeptionelles und kuratorisches Medium. Anfang der 70er Jahre begann er mit der Herausgabe der Zeitung "Galerie nächst St. Stephan". Mit der Zeitung dokumentierte Oberhuber die Ausstellungstätigkeit in der Galerie und nutzte den Raum der Seiten für spezifische kuratorische Setzungen. Zeichnungen von Cy Twombly, Hanne Darboven, Wols und Oberhuber stellt Oberhuber beispielsweise zusammen, um das automatische rhythmisierte Schreiben und Zeichnen in seinen verschiedenen künstlerischen Ausprägungen zu zeigen.

Seine Sammlungstätigkeit dokumentiert Oberhuber, wenn er die Schenkungen, die er der Hochschule für angewandte Kunst gemacht hat, auflistet und darüber hinaus mit Dokumenten dieser Schenkungen, mit Kopien und Grafiken ergänzt.

Die politische Brisanz seiner Arbeiten wird in Collagen wie „Wo bleibt die Kunst?“ „Künstler ohne Kunst“ oder „Kunst ist Scheiße“ deutlich. Oberhuber hat sich in seiner Funktion als, Leiter der Galerie nächst St. Stephan oder als Rektor der Hochschule für angewandte Kunst stets zu Wort gemeldet und gibt mit seinen künstlerischen Statements ein beredtes Zeugnis über die lebhaften Debatten ab, die er zu evozieren imstande ist.

Oberhubers Kartonskulpturen sind von besonderer Leichtigkeit, - nicht nur weil sie leicht sind. Zugegeben es fällt dem mittlerweile 82-jährigen Künstler leichter mit Karton und Papier zu agieren, als vielleicht mit Holz oder Metall. Das Vergnügen, das die Skulpturen bereiten, ist jenem Humor geschuldet mit dem Oberhuber den Irrungen und Wirrungen der Kunst begegnet und diese selbst mit hervorbringt.