Constanze Ruhm Christine Lang 
TRAILER.PARK 

Constanze Ruhm und Christine Lang zeigen in der Galerie der Stadt Schwaz die filmische Installation TRAILER.PARK.
Der Film/Trailer spielt auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz im Osten Deutschlands. Hier treffen Figuren aufeinander, die bereits mehrfach gestorben sind. Als Untote, Widergänger oder Zombies inszenieren Constanze Ruhm und Christine Lang ihre Darsteller/innen, die sich von einer Geschichte, von einem Film in die nächste Geschichte oder den nächsten Film katapultieren.
Dabei sind es stets die Produktionsbedingungen – des Kinos, der Arbeit, der Liebe – die hier reflektiert werden. Dies findet auf den Ebenen der Erzählung, der Inszenierung, des Dispositivs in der Ausstellung statt.

Eine große Liebesgeschichte zwischen Hans und Anna.
Die beiden begegnen sich 20 Jahre nach ihrer Trennung wieder. Er ist Regisseur. Sie ist Schauspielerin.
Hans und Anna haben mehrere Leben. Er (Jean Luc Godard), sie (Anna Karina), treten als Ikonen des Kinos auf, und zugleich werden ihre Liebe, ihr Arbeitsverhältnis - zwischen Regisseur und Schauspielerin - mit ihren wechselseitigen Abhängigkeiten im Produktionsraum der Ausstellung verhandelt.

Constanze Ruhm und Christine Lang arbeiten sich durch Filmgeschichte(n) nicht zuletzt um ins „kalte Herz einer Erzählung“ vorzudringen, wie sie es ausdrücken, um zu sehen, „wie viel davon noch übrig ist“.
Film verstehen sie nicht als Ergebnis, als abgeschlossenes Werk, sondern vielmehr als Produktionsform, die sich durch Imagination und Referenz genauso wie durch Lücken und Leerstellen der Erinnerung fortschreibt. Constanze Ruhm arbeitete bereits in ihren Filmen X-NaNa (2004/5), X-Subroutines (2004) und X-Love Scenes mit Figuren, die durch die Filme wandelten und sich verwandelten, die in ihren Geschichten (fort)lebten. In My_Never_Ending_Burial_Plot (2010) begann dann das große Sterben. Der Tod fungiert dabei als dramatisches Mittel der Auflösung von Geschichte, die von da an aber stets auch einen Neuanfang nehmen kann. In diesem loop sterben die Figuren, um sich in anderen Konstellationen wieder begegnen zu können. Film, das ist eine ontologische Größe, sagt Gilles Deleuze, der in den beiden Bänden „Bewegungsbild“ und „Zeitbild“ die medialen und erzählerischen Techniken des Films analysiert, und mehr noch eine Begrifflichkeit hervorbringt, die Film zu einer Diskursform macht, die entscheidende politische Dispositive von Arbeit und Leben mitgestaltet.
In der Galerie der Stadt Schwaz wird der Film um szenische Elemente erweitert. Ein Esel auf dem Platz vor der Galerie verweist auf den großen Film „Zum Beispiel Balthazar“ von Robert Bresson (1966), in dem der Esel Balthazar gleichermaßen geliebt und geschunden wird. In TRAILER.PARK taucht der Esel wieder auf, so wie seine drei menschlichen Mitspieler/innen aus der Geschichte gefallen, findet er sich in der Öde einer Industrielandschaft wieder. An einem Ort, der einmal Campingplatz werden wollte, leben und sterben die Figuren des Films mit ihren Träumen und Geschichten.