Kalte Gesellschaft #2 

kuratiert von Judith Hopf

mit Magnus Andersen, Martin Ebner&Florian Zeyfang, Harun Farocki, Julian Göthe, Anna Herms, Judith Hopf, Annette Kelm, Jonathan Penca, Ida Persson, Alfred Schmidt

Je „kälter“ eine Gesellschaft ist, desto ausgeprägter ist ihr Bestreben, ihre traditionellen Kulturmerkmale möglichst unverändert zu bewahren. Eine Kultur wird als umso „heißer“ eingeordnet, je größer ihr Antrieb zu tiefgreifenden und schnellen Modernisierungen der Gesellschaft ist. Dieses Modell setzte Claude Lévi-Strauss in seinem Buch „Das wilde Denken“ von 1962 einer eurozentristischen Ethnographie und ihrer Einteilung in „primitive“, also naturnahe und „entwickelte“, industrialisierte Gesellschaften entgegen.

Was passiert aber, wenn man in solch ein Denkmodell die Möglichkeit mit einbezieht, dass sich „heiße Gesellschaften“ auch „abkühlen“ und umgekehrt? Eine „abgekühlte“ heiße Gesellschaft könnte genau wie vorher wie ein Uhrwerk funktionieren, indem sie lediglich rituell an ihre Modernisierung glaubt, in Wirklichkeit aber nur sich selbst bestätigt und dem treu bleibt, was ihr bereits bekannt ist.

Nach Claude Lévi-Strauss ist die „kalte Gesellschaft“ – moralisch gesehen – keine gute oder schlechte Gesellschaft. Die Frage ist nicht, welche realen Ergebnisse die jeweiligen Gesellschaften erzielen, sondern die, welche dauerhafte Absicht sie leitet. Denn das Bild, das sie sich von sich machen, ist ein wesentlicher Teil ihrer Wirklichkeit.

Die Ausstellung KALTE GESELLSCHAFT #2 setzt sich in freier Assoziation und unter Einbeziehung des spezifischen Ortes, der Stadt Schwaz, deren Silber-Taler, Tunnel, Tools und Tiere, künstlerisch mit solchen möglichen, kulturellen Fragen auseinander. (Judith Hopf)